Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Der Zwergsäger

Der Zwergsäger (Mergus albellus) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 068). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich seines Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in seinem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen.


Einordnung

Der Zwergsäger gehört zur Familie der Entenvögel (Anatidae).


Vorkommen

Der Zwergsäger ist ein Zugvogel, der im Herbst seine Brutheimat im hohen Norden Europas verlässt, wo er sich meist an fischreichen Seen und langsamen Flüssen aufhält, und auf geschützten Küstengewässern der südlichen Ostsee, Nordsee und des Schwarzen und Kaspischen Meeres überwintert. Der Schwerpunkt des Wintervorkommens in Mitteleuropa liegt an der mecklenburgischen Ostseeküste und in den Niederlanden im Ijsselmeergebiet.


Merkmale

Diese Vogelart hat einen stromlinienförmigen Körper und einen dünnen Schnabel, der wie eine Säge gezähnt ist. Der Schnabel des Zwergsägers hat einen scharfen gebogenen Nagel, welcher sich gut zum Fangen und Festhalten von Fischen eignet, die er unter Wasser schwimmend erbeutet. Der Zwergsäger erreicht eine Größe von etwa 42cm.

Die Männchen und Weibchen unterscheiden sich im Gefieder: Das Prachtkleid des Männchens ist überwiegend weiß mit feinen schwarzen Strichen und es hat einen schwarzen Fleck zwischen Schnabel und Auge und eine aufrichtbare Federhaube. Beim Weibchen sind der Oberkopf und Nacken rotbraun, welche sich scharf gegen das Weiß des übrigen Kopfes und Halses absetzen, das übrige Gefieder ist überwiegend grau mit einem weißen Bauch. Das Schlichtkleid des Männchens ähnelt dem des Weibchens.


Abbildung 1: Zwergsäger [1]


Fortbewegung

Zwergsäger liegen beim Schwimmen tief im Wasser, so dass ihr Schwanz nicht mehr sichtbar ist. Sie können, ohne Anlauf nehmen zu müssen, von der Wasseroberfläche fliegen und bewegen sich dann mit sehr schnellen Flügelschlägen fort.


Ernährung

Dieser Vogel ernährt sich überwiegend von Fischen, im Sommer aber nur von Wasserinsekten [2].


Fortpflanzung/Brut

Der Zwergsäger brütet im hohen Norden. Als Höhlenbrüter benötigt er dafür Bäume oder Nistkästen [2]. Die Brutzeit findet deshalb in Waldnähe von Mai–Juni statt. Das Weibchen brütet dann 6–9 Eier aus. Nach etwa 30 Tagen schlüpfen dann die Jungvögel und sind bereits mit 10 Wochen flügge.


Gefährdung

Der Rückgang des Bestandes stellt eine ernsthafte Gefahr für die Erhaltung der natürlichen Umwelt dar, da durch diese Entwicklung insbesondere das natürliche Gleichgewicht bedroht wird (siehe Vogelschutz-Richtlinie). An der Ostseeküste überwintert der Zwergsäger mit mehr als 50% seines Vorkommens in Europa und Westsibirien [3]. Deshalb ist hier eine Ausweisung von Schutzgebieten erforderlich, um den Bestand dieser Vogelart zu erhalten.

Der Zwergsäger ist überwiegend durch menschliche Tätigkeiten gefährdet, insbesondere durch die Zerstörung und Verschmutzung seines Lebensraumes, durch Ölpesten, Verbrauch der Naturlandschaften für Bebauungszwecke, Campingplätze und Verkehrsanlagen [4], aber auch touristische Aktivitäten führen zusätzlich zu einer Störung der rastenden Wasservögel auf den inneren Küstengewässern während der Zugzeit [5].


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Quellen:
[1] © E. Hoyer
[2] Walther Thiede: Wasservögel und Strandvögel, Arten der Küsten und Feuchgebiete, 5. Auflage, BLV Naturführer, 1997, S. 60.
[3] Andreas J. Helbig, Jan Kube: Die Ostsee als Brut- und Überwinterungsgebiet für Meeres- und Küstenvögel, S. 222-231(227), in: José L. Lozan, Reinhard Lampe, Wolfgang Matthäus, Eike Rachor, Heye Rumohr, Hein von Westernhagen (Hrsg.): Warnsignale aus der Ostsee, Berlin 1996.
[4] Georg Quedens: Vögel der Nordsee, 6. Auflage 1997, Breklumer Verlag, S. 107.
[5] Andreas J. Helbig, Jan Kube: a.a.O., S. 230.