Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Die Zwerggans

Die Zwerggans (Anser erythropus) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 042). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen.


Einordnung

Die Zwerggans gehört zur Gattung der Feldgänse (Anser) in der Familie der Entenvögel (Anatidae).


Vorkommen

Diese Vogelart war früher von den nördlichen Gebieten Skandinaviens über den Ural bis nach Sibirien verbreitet. Heute befindet sich das Brutgebiet dieser sehr seltenen Art nur noch in Nordfinnland. Ihre traditionellen Überwinterungsgebiete befinden sich am Schwarzen und Kaspischen Meer, wohin sie zwischen Mitte August bis Anfang September abziehen aus den Brutgebieten. Weil sie auf dem Zug dorthin jedoch illegal oder fälschlich abgeschossen werden aufgrund ihrer hohen Ähnlichkeit mit der nicht geschützten Blässgans, obwohl die Zwerggans weltweit geschützt ist, wurde das Projekt „Zwerggans“ ins Leben gerufen, welches die Zwerggänse in sichere Überwinterungsgebiete am Niederrhein bringen soll [1].


Merkmale

Die Zwerggans ähnelt sehr stark der Blässgans, sie ist jedoch mit einer Länge von 55–65cm etwas kleiner und ihr Gefieder ist dunkler. Die Flügelspannweite beträgt ca. 120–135cm und diese Vögel können ein Gewicht bis zu 2kg erreichen. Die Zwerggans hat einen rundlichen Kopf mit einem zierlichen Schnabel und einem gelblich-weißen Ring um das Auge im Unterschied zur Blässgans. Das Gefieder über dem Schnabel ist weiß gefärbt. Diese Weißfärbung reicht über das Auge bis zum Scheitel. Auch der Bauch ist weiß gefärbt. Oberseits ist das Federkleid braungrau gefärbt.


Abbildung 1: Zwerggans [2]


Ernährung

Zwerggänse ernähren sich vegetarisch von kurzen Gräsern und Kräutern.


Fortpflanzung/Brut

Sie brüten einmal im Jahr. Die Brut beginnt Mitte Mai bis Anfang Juni. In der Zeit legen die Weibchen 4–6 Eier mit einer weißen oder gelblichen Schale in das Nest, welches aus Zweigen, Gräsern und Moosen besteht. Die Brut dauert etwa 25–28 Tage. Während das Weibchen brütet, wacht der Ganter in der Nähe. Nach etwa 35–40 Tagen sind die Jungvögel flugfähig, sie bleiben jedoch meist bis zur nächsten Brut bei den Eltern.


Gefährdung

Zwerggänse sind von allen in Eurasien brütenden Gänsearten die, die am seltensten vorkommen. Weltweit zählen sie zu den am stärksten bedrohten Vogelarten.

Der Rückgang des Bestandes stellt eine ernsthafte Gefahr für die Erhaltung der natürlichen Umwelt dar, da durch diese Entwicklung insbesondere das natürliche Gleichgewicht bedroht wird (siehe Vogelschutz-Richtlinie der EG). Die Zwerggans ist überwiegend durch menschliche Tätigkeiten gefährdet. Die wichtigste Gefährdungsursache ist neben dem Verlust von Lebensraum die Jagd auf ihrem Zug in die Überwinterungsgebiete. Durch ihre Ähnlichkeit zur Blässgans, welche zum Abschuss freigegeben ist, ist sie unmittelbar vom Aussterben bedroht.

Deshalb genügt nicht nur eine Ausweisung von Schutzgebieten, um den Bestand der Zwerggänse zu sichern. Um den Bestand dieser Vögel zu sichern wurde das Projekt Zwerggans e.V. ins Leben gerufen, mit dessen Hilfe die Zwerggänse mittels Ultraleichtflugzeuge in sichere Überwinterungsgebiete an den Niederrhein geführt werden sollen.


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Quellen:
[1] Siehe www.zwerggans.de.
[2] © E. Hoyer