Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Die Trauerseeschwalbe

Die Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 197). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen.


Einordnung

Die Trauerseeschwalbe gehört zur Familie der Sumpfseeschwalben (Chlidonias).


Vorkommen

Die Trauerseeschwalbe ist ein Brutvogel, der in Süd-, Ost- und Mitteleuropa und in Südskandinavien vorkommt und in Afrika überwintert. Im Frühjahr zieht sie vorwiegend durch das Binnenland, im Herbst entlang den Meeresküsten. Vereinzelt kommt sie auch als Brutvogel auf flachen Gewässern und Mooren der Küstenmarschen der Nordsee vor, doch ihr eigentlicher Lebensraum sind Feuchtgebiete und Flachseen mit Süßwasser [1].


Merkmale

Diese Seeschwalbenart hat wie alle Seeschwalben einen spitzen schwarzen Schnabel, lange schmale Flügel, kurze Beine mit dunkelrotbraunen Füßen und einen gegabelten Schwanz [2]. Ihr Prachtkleid macht einen dunklen Gesamteindruck. Hier sind der Kopf und Bauch schwarz, die Oberseite ist dunkelgrau. Nur die Unterflügel und der Schwanz sind hellgrau und die Unterschwanzdecken sind weiß. Im Ruhekleid hat die Trauerseeschwalbe einen dunklen Fleck an den Brustseiten, etwas dunklere Unterflügel, graue Oberschwanzdecken und einen gleichmäßig grauen Schwanz. Die Kopfkappe ist scharf abgegrenzt und gleichmäßig dunkelgrau. Diese Schwalbenart erreicht eine Länge von etwa 25cm [3].


Abbildung 1: Trauerseeschwalbe [4]


Fortbewegung

Sie fliegt mit weichen Flügelschlägen und nimmt auch ihre Nahrung im Flug von der Wasseroberfläche auf bzw. fängt Insekten im Flug, taucht aber nicht wie die weißen Seeschwalben [2].


Ernährung

Die Trauerseeschwalbe ernährt sich überwiegend von kleinen Fischen, Insekten, deren Larven und Kaulquappen.


Fortpflanzung/Brut

Trauerseeschwalben sind Koloniebrüter, welche einmal im Jahr in der Zeit von Mai-Juli brüten. Die Nester bestehen meist aus Schilfhalmen, welche sich am Rand von Gewässern oder auf Schilf und Wasserpflanzen schwimmend befinden. In diese Nester werden durch die Eltern 2–3 dunkel gefleckte Eier gelegt [3]. Die Brut dauert 20–23 Tage [5]. Nach etwa 3 Wochen sind die Jungvögel flügge [5].


Gefährdung

Trauerseeschwalben sind vom Aussterben bedroht [5]. Der Rückgang des Bestandes stellt eine ernsthafte Gefahr für die Erhaltung der natürlichen Umwelt dar, da durch diese Entwicklung insbesondere das natürliche Gleichgewicht bedroht wird (siehe Vogelschutz-Richtlinie der EG).

Hauptursache für die Gefährdung ist die Lebensraumzerstörung, zum einen der Verlust von Altwässern, flachen Seen und Teichen sowie Feuchtgebieten und Überschwemmungsflächen durch Entwässerung, Grundwasserabsenkung, Wasserbau, Flurbereinigung, Umbruch sowie eutrophierungsbedingte schnelle Verlandung, zum anderen der Verlust von Kies- und Sandbänken an Fließgewässern durch Flussausbau und -korrekturen [6]. Natürliche Ursachen sind Überflutung, Nistplatzkonkurrenz mit und Nestplünderung durch Lachmöwen, Krähen und Blässhühnern [7]. Auch die Störung der Brutkolonien durch Freizeitaktivitäten [7] und Melioration [8] sind eine erhebliche Ursache für den Bestandsrückgang der Trauerseeschwalben.


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Quellen:
[1] Georg Quedens: Vögel der Nordsee, 6. Auflage, Breklumer Verlag, 1997, S. 79.
[2] Bertel Bruun, Hakan Delin, Lars Svensson: Der Kosmos-Vogelführer, Die Vögel Deutschlands und Europas, 10. Auflage, 1993, Stuttgart, S. 154.
[3] Wolfgang Makatsch: Die Vögel Europas, 7. Auflage, 1994, Radebeul, S. 300.
[4] © E. Hoyer
[5] Walther Thiede: Wasservögel und Strandvögel, Arten der Küsten und Feuchtgebiete, 5. Auflage, BLV Naturführer, 1997, S. 114.
[6] Hans-Günther Bauer, Peter Berthold: Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung, Wiesbaden: Aula-Verlag, 1996, S. 228 f.
[7] Hans-Günther Bauer, Peter Berthold: a.a.O., S. 229.
[8] Ulrich Brenning, Rolf K. Berndt, Werner Eichstädt, Wilfried Knief, Horst Schröder, Dietrich Sellin, Bernd Struwe-Juhl: Rote Liste der Vogelarten des deutschen Meeres- und Küstenbereichs der Ostsee (S. 95-104), in: Thomas Merck, Henning von Nordheim (Bearb.): Rote Listen und Artenlisten der Tiere und Pflanzen des deutschen Meeres- und Küstenbereichs der Ostsee, Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 48, BfN, Bonn - Bad Godesberg 1996, S. 100.