Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Der Sterntaucher

Der Sterntaucher (Gavia stellata) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 001). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich seines Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in seinem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen (siehe unter Gefährdung).


Einordnung

Der Sterntaucher gehört zur Familie der Seetaucher (Gaviidae).


Vorkommen

Dieser Vogel ist außer in Europa auch im nördlichen Asien, Nordamerika und Grönland verbreitet. Er brütet meist an Seen und Tümpeln in der Tundra, von wo aus er oft zu fischreichen Gewässern fliegt [1]. Im Winter findet man ihn überwiegend an den Küsten der Nord- und Ostsee und der Atlantikküste, gelegentlich verbringen einige Tiere den Winter auch an großen Seen im Binnenland.


Merkmale

Der Sterntaucher ist mit einer Größe von etwa 56cm der kleinste Vogel in der Familie der Seetaucher. Wie alle Seetaucher hat auch der Sterntaucher kräftige, am Körperende ansetzende Beine mit Schwimmhäuten und kurze Schwanzfedern, wodurch er sehr an das Leben im Wasser angepasst ist. Unverkennbar ist sein aufwärts gerichteter Schnabel, der wie bei allen Seetauchern spitz zuläuft [2]. Im Brutkleid ist die Oberseite dieses Vogels fast einfarbig bräunlich-schwarz, die Halsvorderseite ist rostrot gefärbt, der Bauch ist weiß. Im Ruhekleid sind Scheitel und Nacken grau, die Oberseite ist graubraun und damit heller als im Brutkleid und mit zahlreichen weißen Flecken übersät.


Abbildung 1: Sterntaucher [3]


Fortbewegung

Wie alle Seetaucher kann auch der Sterntaucher hervorragend tauchen und schwimmen. Beim Schwimmen liegt der lang gestreckte Rumpf tief im Wasser, der Kopf wird leicht schräg aufwärts gehalten, bei Gefahr tauchen sie einfach weg [2]. Außer zum Brüten gehen sie nicht freiwillig an Land. Dort bewegen sie sich auch nur unbeholfen fort. Meist robben sie auf dem Bauch [4].


Sterntaucher fliegen mühelos und ohne Anlauf vom Wasser auf. Als einziger Seetaucher können sie auch problemlos vom Land aus starten. Beim Fliegen halten sie den Kopf und Hals tiefer als den übrigen Körper. Die Flügelschläge sind schneller und der Aufschlag der nach hinten gewinkelten Flügel ist höher als beim Prachttaucher [1].


Ernährung

Sterntaucher ernähren sich überwiegend von Fischen, die er unter Wasser jagt (in 2–9m Tiefe) [4], aber auch von Schnecken, Krebsen und Wasserinsekten.


Fortpflanzung/Brut

Die Sterntaucherpaare kehren im Mai bis Anfang Juni zu ihrem Brutsee zurück, dem sie ihr Leben lang treu bleiben. Die Brutzeit findet bei diesen Vögeln von Mai bis Juli statt. In dieser Zeit legen sie meist 2 Eier in das Nest und brüten abwechselnd 26–28 Tage. Das Nest besteht aus angespülten oder zusammengetragenen Pflanzenteilen.


Gefährdung

Der Rückgang des Bestandes stellt eine ernsthafte Gefahr für die Erhaltung der natürlichen Umwelt dar, da durch diese Entwicklung insbesondere das natürliche Gleichgewicht bedroht wird (siehe Vogelschutz-Richtlinie der EG). Der Sterntaucher ist überwiegend durch menschliche Tätigkeiten gefährdet, vor allem durch die Zerstörung und Verschmutzung seines Lebensraumes, insbesondere durch Ölpesten, aber auch der Tourismus stellt eine weitere Gefahr dar. Auch das Verstricken in Fischernetzen, aus denen sie sich nicht mehr befreien können und zugrunde gehen führt zu einem erheblichen Bestandsrückgang.

Deshalb ist eine Ausweisung von Schutzgebieten erforderlich, um den Bestand dieser Vogelart zu erhalten. Der Sterntaucher überwintert ebenso wie der Prachttaucher mit über 1% seiner nordwesteuropäischen Winterpopulation in der Pommerschen Bucht und in der Oderbank. Deshalb müssen für den Bereich der Ostsee als Schutzgebiete gemäß der Vogelschutz-Richtlinie die Pommersche Bucht und Oderbank vorgeschlagen werden, welche als Nahrungsgebiet für den dort überwinternden Sterntaucher von großer Bedeutung sind. Dieses Gebiet ist zum Teil zugleich vom BfN vorgeschlagenes FFH-Gebiet. In diesem Bereich besteht eine aktuelle Gefährdung durch die Eutrophierung, d.h. die Zunahme von Nährstoffen in Gewässern, die zu unerwünschtem Wucher bestimmter Pflanzenarten führt, aber auch die hochfrequentierte Schifffahrtslinie. Es müsste für diesen Bereich ein auf die Richtlinie abgestimmter Managementplan entwickelt werden, welcher die Vermeidung der o.g. Bedrohungen und Belastungen regelt.

Indem auch die Nordsee ein Hauptüberwinterungsgebiet für den Sterntaucher darstellt, müssen auch für die Nordsee Schutzgebiete ausgewiesen werden, um den Bestand auch hier zu erhalten. Die vom BfN vorgeschlagenen Vogel-Schutzgebiete können der Karte entnommen werden.


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Quellen:
[1] Bertel Bruun, Hakan Delin, Lars Svensson: Der Kosmos-Vogelführer, Die Vögel Deutschlands und Europas, 10. Auflage, 1993, Stuttgart, S. 20.
[2] Wolfgang Makatsch: Die Vögel Europas, 7. Auflage, 1994, Radebeul, S. 146.
[3] © E. Hoyer
[4] Walther Thiede: Wasservögel und Strandvögel, Arten der Küsten und Feuchtgebiete, 5. Auflage, BLV Naturführer, 1997, S. 12.