Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Die Schwarzkopfmöwe

Die Schwarzkopfmöwe (Larus melanocephalus) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 176). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen (siehe unter Gefährdung).


Einordnung

Die Schwarzkopfmöwe gehört zur Familie der Möwenvögel (Laridae).


Vorkommen

Die Schwarzkopfmöwe lebt an vegetationsreichen Seen, größeren Teichen und Lagunen [1]. Ursprünglich stammt sie aus dem Mittelmeerraum und Südost-Europa, sie breitet sich aber langsam nach Nordwesten aus [2]. Seit den 1950er Jahren brütet sie auch in Deutschland an der Nordsee und Ostseeküste (bei Rügen). Ihr Überwinterungsgebiet ist der Mittelmeerraum, wohin sie ab Juli bis Oktober zieht. Ab Ende März kehrt sie jedoch in ihr Brutgebiet zurück.


Merkmale

Diese Möwe hat einen kräftigen blutroten Schnabel mit einer schwarzen Binde [2] und dunkelrote Füße. Im Brutkleid hat sie einen tiefschwarzen Kopf, oberhalb und unterhalb des Auges ist jedoch ein auffallend weißer Fleck zu erkennen [3].


Abbildung 1: Schwarzkopfmöwe [4]


Fortbewegung

Schwarzkopfmöwen sind schwimmfähig und können auch ausgezeichnet fliegen.

Ernährung

Sie ernähren sich von Würmern, Insekten, Kleinfischen, Abfall, aber auch von Eiern und Jungvögeln kleinerer Küstenvögel.


Fortpflanzung/Brut

Schwarzkopfmöwen nisten in Kolonien, bisweilen auch mit Lachmöwen vergesellschaftet [1]. Das Nest besteht meist aus Pflanzenteilen auf Inseln oder in uferfernen Vegetationszonen. Die Brut findet von Mitte Mai bis Anfang Juni statt [1]. In dieser Zeit werden 3 Eier in das Nest gelegt und über einem Zeitraum von 23–25 Tagen ausgebrütet. Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungvögel noch etwa 35–40 Tage im Nest und sind dann flügge [5]. Dann werden die Brutplätze verlassen.


Gefährdung

Möwen haben keine natürlichen Feinde, weder den Fuchs noch den Seeadler, die Regulierung lag und liegt allein in den Händen des Menschen, Möweneier werden auch heute noch gesammelt, es besteht jedoch die Tendenz, die Regulierung der Möwenmassen der Natur zu überlassen [6]. Trotzdem ist der Bestand der Schwarzkopfmöwe in unseren Regionen sehr gering. Ursachen für die Bestandsschwankungen sind vor allem natürliche Ursachen, wie Überflutung der Brutplätze, Krankheiten, ungünstige Witterung [7]. 1992 gab es an der mecklenburgischen Ostseeküste nur noch ein Brutpaar [8]. Zurückzuführen ist dies auf den Wegfall oder die Beeinträchtigung der Brutplätze durch Küstenschutzmaßnahmen aber auch Tourismus. Eine Ausweisung von Schutzgebieten im Bereich der Ostsee und der Nordsee ist deshalb unumgänglich, um den Bestand der Schwarzkopfmöwe in diesen Bereichen zu sichern bzw. zu erhalten.


zurück zum Inhalt

Quellen:
[1] Wolfgang Makatsch: Die Vögel Europas, 7. Auflage, 1994, Radebeul, S. 296.
[2] Bertel Bruun, Hakan Delin, Lars Svensson: Der Kosmos-Vogelführer, Die Vögel Deutschlands und Europas, 10. Auflage, 1993, Stuttgart, S. 146.
[3] Wolfgang Makatsch: a.a.O. S. 295.
[4] © E. Hoyer
[5] Vgl. Walther Thiede: Wasservögel und Strandvögel, Arten der Küsten und Feuchtgebiete, 5. Auflage, BLV Naturführer, 1997, S. 108.
[6] Georg Quedens: Vögel der Nordsee, 6. Auflage, Breklumer Verlag, 1997, S. 65.
[7] Hans-Günther Bauer, Peter Berthold: Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung, Wiesbaden: Aula-Verlag, 1996, S. 202.
[8] Andreas J. Helbig, Jan Kube: Die Ostsee als Brut- und Überwinterungsgebiet für Meeres- und Küstenvögel, S. 222-231 (226), in: José L. Lozan, Reinhard Lampe, Wolfgang Matthäus, Eike Rachor, Heye Rumohr, Hein von Westernhagen (Hrsg.): Warnsignale aus der Ostsee, Berlin 1996.