Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Der Prachttaucher

Der Prachttaucher (Gavia arctica) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 002). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich seines Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in seinem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen (siehe unter Gefährdung).


Einordnung

Der Prachttaucher gehört zur Familie der Seetaucher (Gaviidae).


Vorkommen

Dieser Vogel verbringt seine Brutzeit an großen, tiefen, klaren und fischreichen Seen bzw. an kleinen Seen in Meeresnähe in Nordamerika, im nördlichen Asien und Europa. Als Zugvogel folgt er den Flüssen und überwintert in Küstennähe auf dem Wasser. Seine Hauptüberwinterungsquartiere befinden sich an der Ostsee in der Pommerschen Bucht und an der Oderbank, am Schwarzen Meer und am Mittelmeer.


Merkmale

Der Prachttaucher ist mit einer Größe von bis zu 60cm knapp gänsegroß. Seine Oberseite ist schwarz mit in zwei Feldern angeordneten weißen Bändern. Im Brutkleid sind Kinn und Kehle schwarz, Scheitel und Nacken jedoch hellgrau. Im Schlichtkleid ist sein Rücken dunkelgrau, fast schwarz und eine dunkle Kopfkappe zieht sich bis zum unteren Augenrand. Der große weiße Seitenfleck am Hinterkörper ist artkennzeichnend [1]. Er hat einen scharfrandigen Schnabel, der pfriemförmig ist und den er meist waagerecht hält. Das Federkleid der Jungvögel hat zusätzlich eine deutliche Querwellung auf dem Rücken [2].


Abbildung 1: Prachttaucher [3]


Fortbewegung

Im Flug streckt der Prachttaucher seinen Hals starr nach vorn und die Füße nach hinten. Er ist ein ausdauernder Flieger, der aber erst nach einem längeren Anlauf vom Wasser aus starten kann. Beim Landen setzt er auf dem Wasser mit der Brust und den nach hinten gestreckten Beinen auf. Dadurch kann er auch übergangslos ins Wasser schießen. Durch diesen Landevorgang sind schon viele Prachttaucher tödlich verunglückt, wenn sie nachts auf einer bereiften Wiese oder regennasser Straße versucht haben zu landen. Auf dem Land bewegt er sich sehr unbeholfen fort, meist auf dem Bauch rutschend. Als Wasservogel ist er ein guter Schwimmer und Taucher. Er kann bis zu 2min unter Wasser bleiben und über 100m weit tauchen.


Ernährung

Prachttaucher ernähren sich von Fischen, Krebsen und Mollusken (aus 3–6 m Tiefe) [1].


Fortpflanzung/Brut

Die Prachttaucherpaare kehren kurz nach der Schneeschmelze im April bis Mai zu ihrem Brutsee zurück. Die Brutzeit ist bei diesen Vögeln von Mai bis Juli. In dieser Zeit legen sie meist 2 Eier in das Nest und brüten abwechselnd 28–30 Tage [1]. Das Nest befindet sich unmittelbar am Wasser oder auf Inseln, so dass sie bei Gefahr rasch wegtauchen können. Es besteht aus gesammelten Pflanzenteilen oder einer Mulde im angeschwemmten Material und ist immer nass. Nach 40 Tagen sind die Jungvögel flugfähig. Bis dahin dürfen sie auf dem Rücken der Eltern mitschwimmen.


Gefährdung

Der Rückgang des Bestandes stellt eine ernsthafte Gefahr für die Erhaltung der natürlichen Umwelt dar, da durch diese Entwicklung insbesondere das natürliche Gleichgewicht bedroht wird (siehe Vogelschutz-Richtlinie der EG). Der Prachttaucher ist überwiegend durch menschliche Tätigkeiten gefährdet. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts war bei ihm ein starker Bestandsrückgang zu verzeichnen der überwiegend auf menschliche Verfolgung (Eiersammeln, Gelegezerstörung und Abschuss) sowie auf Ertrinken in Fischernetzen zurückzuführen ist [4], in denen sie sich bei ihrer Nahrungssuche verstrickten und nicht mehr daraus befreien konnten. Die Zerstörung und Verschmutzung seines Lebensraumes, insbesondere durch Ölpesten, aber auch die Störungen, die vom Tourismus und dem Schiffsverkehr ausgehen, spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle für den Bestandsrückgang des Prachttauchers.

Deshalb ist eine Ausweisung von Schutzgebieten erforderlich, um den Bestand dieser Vogelart zu erhalten. Der Prachttaucher überwintert mit über 1% seiner nordwesteuropäischen Winterpopulation in der Pommerschen Bucht und in der Oderbank.

Deshalb müssen für den Bereich der Ostsee als Schutzgebiete gemäß der Vogelschutz-Richtlinie die Pommersche Bucht und Oderbank vorgeschlagen werden, welche als Nahrungsgebiet für den dort überwinternden Prachttaucher von großer Bedeutung sind. Dieses Gebiet ist zum Teil zugleich vom BfN vorgeschlagenes FFH-Gebiet. In diesem Bereich besteht eine aktuelle Gefährdung durch die Eutrophierung, d.h. die Zunahme von Nährstoffen in Gewässern, die zu unerwünschtem Wucher bestimmter Pflanzenarten führt, aber auch die hochfrequentierte Schifffahrtslinie. Es müsste für diesen Bereich ein auf die Richtlinie abgestimmter Managementplan entwickelt werden, welcher die Vermeidung der o.g. Bedrohungen und Belastungen regelt.


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Quellen:
[1] Walther Thiede: Wasservögel und Strandvögel, Arten der Küsten und Feuchtgebiete, 5. Auflage, BLV Naturführer, 1997, S. 12.
[2] Bertel Bruun, Hakan Delin, Lars Svensson: Der Kosmos-Vogelführer, Die Vögel Deutschlands und Europas, 10. Auflage, 1993, Stuttgart, S. 20.
[3] Archiv: E. Hoyer / Foto Duty
[4] Hans-Günther Bauer, Peter Berthold: Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung, Wiesbaden: Aula-Verlag, 1996, S. 16.