Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Der Ohrentaucher

Der Ohrentaucher (Podiceps auritus) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 007). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich seines Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in seinem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen (siehe unter Gefährdung).


Einordnung

Der Ohrentaucher gehört zur Familie der Lappentaucher (Podicipedidae).


Vorkommen

Dieser Vogel lebt im Sommer meist an flachen Seen und Teichen mit viel Vegetation in der nordischen Nadelwaldzone, Island, Nordamerika und im mittleren Asien während der Brutzeit. Den Winter verbringen sie vorwiegend an den Nord- und Ostseeküsten, den Atlantikküsten Nordeuropas und im Gebiet des Schwarzen Meeres und am Kaspischen Meer [1].


Merkmale

Der Ohrentaucher trägt im Brutkleid einen goldgelben Kopfbüschel und einen schwarzen Backenbart, sein Hals ist rotbraun [2]. Im Ruhekleid ist sein Oberkopf scharf schwarz gegen die weißen Kopf- und Halsseiten abgesetzt und der Scheitel ist flach. Das übrige Federkleid ist weiß-grau. Ohrentaucher haben einen geraden, kräftigen Schnabel, der schwarzgrau mit gelbroter Spitze gefärbt ist. Die Schwanzfedern sind stark zurückgebildet. Diese Vögel haben kurze, am Körperende ansetzende Beine und Schwimmlappen zwischen den Zehen, welche in breiten flachen Nägeln enden. Ohrentaucher erreichen eine Durchschnittslänge von etwa 33cm.


Fortbewegung

Als Lappentaucher können Ohrentaucher hervorragend schwimmen und tauchen. Sie fliegen selten, wenn sie aber fliegen, dann ist der Flug schnell und niedrig, Kopf und Hals dabei ausgestreckt [3]. Ohrentaucher können stehen, aber kaum laufen [4]. Ohrentaucher sind Nachtzieher, die meist einzeln oder zu zweit ziehen.


Ernährung

Die Nahrung der Ohrentaucher besteht überwiegend aus Wasserinsekten, Amphibien, kleinen Fischen, aber auch Wasserpflanzen.


Fortpflanzung/Brut

Die Brutzeit findet von Juni–Juli statt. Beide Elternteile bauen das meist schwimmende Nest, welches aus Wasserpflanzen besteht, und brüten abwechselnd über den 3–5 Eiern. Die Brutdauer beträgt 22–25 Tage [5]. Wenn die Eltern das Nest verlassen, decken sie es mit Nistmaterial zu [4]. Im August werden die Jungen flügge und verlassen dann im September ihre Eltern.


Gefährdung

Der Ohrentaucher ist nur noch selten anzutreffen, am häufigsten jedoch in einigen Teilen Sibiriens.

Der Rückgang des Bestandes stellt eine ernsthafte Gefahr für die Erhaltung der natürlichen Umwelt dar, da durch diese Entwicklung insbesondere das natürliche Gleichgewicht bedroht wird (siehe Vogelschutz-Richtlinie der EG).

Der Ohrentaucher ist überwiegend durch menschliche Tätigkeiten gefährdet, insbesondere durch die Zerstörung und Verschmutzung seines Lebensraumes, z.B. durch Ölpesten oder ökologische Veränderungen der Brutgewässer. Störungen zur Brutzeit, insbesondere wenn sie unregelmäßig auftreten und keine Gewöhnung erlauben, scheinen sich ebenfalls stark auszuwirken, einen bedeutenden Einfluss auf den Brutbestand hat offensichtlich auch die Eutrophierung der Seen [1]. Aber auch das Verstricken in Fischernetzen, aus denen sie sich nicht mehr befreien können und zugrunde gehen, stellt eine bedeutsame Gefährdungsursache für den Ohrentaucher dar.

Deshalb ist eine Ausweisung von Schutzgebieten erforderlich, um den Bestand dieser Vogelart zu erhalten. Etwa 1800 Ohrentaucher überwintern in der Pommerschen Bucht (die nordwesteuropäische Winterpopulation betrug Anfang der 90er Jahre etwa 5000 Tiere [6]). Die Ostsee stellt damit das wichtigste Überwinterungsgebiet in Deutschland dar.

Für den Bereich der Ostsee müssen als Schutzgebiete gemäß der Vogelschutz-Richtlinie die Pommersche Bucht und Oderbank vorgeschlagen werden, welche als Nahrungsgebiet für den dort überwinternden Ohrentaucher von großer Bedeutung sind. Dieses Gebiet ist zum Teil zugleich vom BfN vorgeschlagenes FFH-Gebiet. In diesem Bereich besteht eine aktuelle Gefährdung durch die Eutrophierung, d.h. die Zunahme von Nährstoffen in Gewässern, die zu unerwünschtem Wucher bestimmter Pflanzenarten führt, aber auch die hochfrequentierte Schifffahrtslinie. Es müsste für diesen Bereich ein auf die Richtlinie abgestimmter Managementplan entwickelt werden, welcher die Vermeidung der o.g. Bedrohungen und Belastungen regelt.


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Quellen:
[1] Hans-Günther Bauer, Peter Berthold: Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung, Wiesbaden: AULA-Verlag, 1996, S. 22.
[2] Wolfgang Makatsch: Die Vögel Europas, 7. Auflage, 1994, Radebeul, S. 151.
[3] Bertel Bruun, Hakan Delin, Lars Svensson: Der Kosmos-Vogelführer, Die Vögel Deutschlands und Europas,
10. Auflage, 1993, Stuttgart, S. 22.
[4] Wolfgang Makatsch: a.a.O., S. 149.
[5] Walther Thiede: Wasservögel und Strandvögel, Arten der Küsten und Feuchtgebiete, 5. Auflage, Wiesbaden: BLV 1997, S. 16.
[6] Durink, Skov, Jensen, Phil: Important Marine Areas for wintering Birds in the Baltic Sea. 1994. Report of the European Commission. Prepared by Ornis Consult Ltd, Copenhagen, pp. 105.