Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Die Nonnengans

Die Nonnengans (Branta leucopsis) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 045). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen.


Einordnung

Die Nonnengans gehört zur Familie der Entenvögel (Anatidae).


Vorkommen

Diese Vogelart kommt als Durchzügler und Wintergast im Wattgebiet und auf den meernahen Wiesen Norddeutschlands, an den Küsten Groß Britanniens, Frankreichs und Portugals vor. Ihr bedeutendstes Winterquartier ist die Hamburger Hallig. Im Sommer, während der Brutzeit, lebt sie in Grönland und der norwegischen und russischen Arktis.


Merkmale

Die Nonnengans, die auch unter dem Namen, Weißwangengans bekannt ist, ist eine schwarz-weiße Gans mit kurzem, dicken Hals und Kopf [1]. Ihr Voraugenstreif, Scheitel, Hals und Brust sind schwarz, ebenso Beine und Schwanz, das Gesicht ist weiß [1]. Oberseits ist sie schwarz-weiß gebändert. Bei den Jungvögeln sind die schwarzen Partien des Gefieders dunkel graubraun, das Weiß des Gesichts ist weniger scharf abgesetzt und stumpfer und sie sind oberseits weniger kontrastreich [1]. Nonnengänse werden etwa 60–65cm groß [2].


Abbildung 1: Nonnengans [3]


Lebensdauer

Diese Vogelart kann bis zu 20 Jahre alt werden.


Ernährung

Nonnengänse ernähren sich vegetarisch, überwiegend von Gräsern, Kräutern, Moosen, aber auch von Algen und Wasserpflanzen.


Fortpflanzung/Brut

Sie brüten einmal im Jahr in kleinen Kolonien in der Zeit von Juni–Juli. Die Geschlechtsreife wird mit 3 Jahren erreicht [1]. Die Brutzeit beträgt etwa 24–25 Tage. Die Weibchen legen 4–6 grauweiße Eier in die Nester, welche sich auf Felsklippen an Flüssen und Fjorden befinden. Während das Weibchen brütet, wacht der Ganter in der Nähe. In dieser Zeit nehmen die Nonnengänse kaum Nahrung zu sich und magern deshalb stark ab. Nach dem Schlüpfen der Jungtiere verweilen die Familien noch 1–2 Wochen an den nestnahen Gewässern und wandern dann zu den Fjordküsten ab. Mit 6 Wochen sind die Junggänse flugfähig, so dass die Familien Anfang September in die Wintergebiete abwandern können.


Gefährdung

Der Gesamtbestand der Nonnengänse betrug vor einigen Jahren nicht einmal mehr 30.000 Tiere, weshalb sie unter Schutz gestellt worden ist.

Der Rückgang des Bestandes stellt eine ernsthafte Gefahr für die Erhaltung der natürlichen Umwelt dar, da durch diese Entwicklung insbesondere das natürliche Gleichgewicht bedroht wird (siehe Vogelschutz-Richtlinie der EG). Die Nonnengans ist überwiegend durch menschliche Tätigkeiten gefährdet. Die wichtigste Gefährdungsursache ist der Verlust störungsfreier, weiträumiger Nahrungsgebiete an der Küste, insbesondere durch die Zerstörung und Verschmutzung ihres Lebensraumes, vor allem durch die Suche nach förderfähigem Erdöl und Erdgas im Bereich der Brutplätze, und im landwirtschaftlich genutzten Hinterland durch Intensivierung der Wiesen- und Weidenutzung, Küstenschutzmaßnahmen, Vergrämung [4]. Durch die Errichtung von Vogelschutzgebieten und dem besseren Schutz vor Jägern hat sich der Bestand jedoch wieder erholt und ist etwa auf das Sechsfache angestiegen. Trotzdem muss eine Ausweisung von Schutzgebieten erfolgen, um den Bestand der Nonnengänse zu sichern.

Regelmäßig erscheinen über 100.000 Exemplare der Nonnengans als Gastvögel im deutschen Wattenmeer [5]. Deshalb sollte dieser Bereich als Schutzgebiet ausgewiesen werden.


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Quellen:
[1] Walther Thiede: Wasservögel und Strandvögel, Arten der Küsten und Feuchtwiesen, 5. Auflage, BLV-Naturführer 1997, S. 40.
[2] Wolfgang Makatsch: Die Vögel Europas, 7. Auflage, Radebeul 1994, S. 199.
[3] © E. Hoyer
[4] Hans-Günther Bauer, Peter Berthold: Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung, Wiesbaden: Aula-Verlag, 1996, S. 56.
[5] Klaus Michael Exo, Bernd Hälterlein, Jan Blew, Stefan Garthe, Ommo Hüppop, Peter Südbeck, Gregor Scheiffahrt: Küsten und Seevögel (317-329), in: José L. Lozán, Eike Rachor, Karsten Reise, Jürgen Sündermann, Hein v. Westernhagen: Warnsignale aus Nordsee und Wattenmeer, Eine aktuelle Umweltbilanz, Wissenschaftliche Auswertungen, Hamburg 2003, S. 322.