Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Die Küstenseeschwalbe

Die Küstenseeschwalbe (Sterna paradisea) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 194). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen (siehe unter Gefährdung).


Einordnung

Die Küstenseeschwalbe gehört ebenso wie die Flussseeschwalbe zur Familie der Seeschwalben (Sternidae).


Vorkommen

Küstenseeschwalben kommen in allen Ländern um den Nordpol vor. Während der Brutzeit lebt sie an der Nord- und Ostsee, in Groß Britannien, Skandinavien und Island. Sie kommt ausschließlich in Meeresnähe vor. Die Küstenseeschwalbe ist ein Zugvogel, der über das offene Meer entlang der ganzen europäischen Westküste bis nach Afrika und weiter zur Antarktis zieht, wo sie überwintert. Jährlich legt sie bis zu 40.000km zurück.


Merkmale

Die Küstenseeschwalbe ähnelt sehr stark der nur wenig kleineren Flussseeschwalbe. Das Hauptunterscheidungsmerkmal dieser beiden Vogelarten ist der Schnabel. Dieser ist bei der Küstenseeschwalbe im Gegensatz zur Flussseeschwalbe während der Brutzeit durchgehend rot, bei der Flussseeschwalbe ist die Spitze schwarz. Im Winter ist jedoch der Schnabel beider Arten schwarz. Die Wangen der Küstenseeschwalbe sind auffallend weiß, die Kehle und Halsseiten sind deutlich grau getönt, die Kappe ist schwarz. Die Flügelspitzen sind eher grau mit einem dunklen Außenrand. Im Winterkleid sind ihre Stirn und der Oberkopf ebenfalls weiß. Die Küstenseeschwalbe erreicht eine Länge von etwa 38cm.


Abbildung 1: Küstenseeschwalbe [1]


Fortbewegung

Im Gegensatz zur Flussseeschwalbe bewegt sich die Küstenseeschwalbe mit leichteren, elastischeren Flügelschlägen fort, wodurch ihr Flug eleganter wirkt als der der Flussseeschwalbe.


Ernährung

Küstenseeschwalben ernähren sich von kleinen Fischen, verschiedenen Weich- und Krebstieren und Insekten. Im Winterquartier ernährt sie sich fast ausschließlich von Krill [2].

Fortpflanzung/Brut

Diese Vögel brüten in kleinen, lockeren Kolonien auf flachen Felseninseln, in den Kiesbetten der Küste, in Sanddünen, Strandwiesen, küstennaher Flechtentundra u.ä. einmal im Jahr von Mai bis Juni. Die Brutzeit beträgt 20–22 Tage [2]. Vor der Paarbildung findet ebenso wie bei den Flussseeschwalben eine gestenreiche Balz statt, die u.a. aus dem Paarfliegen besteht, wobei das Männchen einen Fisch im Schnabel trägt.

Zu Beginn der Brutzeit werden 2 Eier in die Nester gelegt, welche meist spärlich mit Halmen ausgelegte Bodenmulden sind. Beide Elternteile brüten ebenso wie Flussseeschwalben abwechselnd. Nach 3–4 Wochen sind die Jungvögel flügge, die Familie bleibt jedoch länger zusammen [2].


Gefährdung

Der Rückgang des Bestandes stellt eine ernsthafte Gefahr für die Erhaltung der natürlichen Umwelt dar, da durch diese Entwicklung insbesondere das natürliche Gleichgewicht bedroht wird (siehe Vogelschutz-Richtlinie der EG). Möglicherweise sind Klimaveränderungen die Ursache für den Rückgang der Anzahl brütender Vögel. Flussseeschwalben sind aber hauptsächlich durch menschliche Tätigkeiten gefährdet, vor allem durch Habitatverluste infolge von Küstenschutzmaßnahmen, welche die Neuentstehung von Nehrungshaken und Sandbänken stark eingeschränkt haben [3], durch Überbauung [4], aber auch durch die Störung an den Brutplätzen aufgrund der Freizeitnutzung der Küsten durch Badeurlauber, Wassersport, und Raubwild (Fuchs und verwilderte Hauskatzen und Nerze) [5].

Aber auch die Gefährdung der Brut durch Hochwasser stellt eine bedeutende Ursache für den Bestandsrückgang dar [4].

Von der Verseuchung der Küstengewässer mit Bioziden sind die Küstenseeschwalben weniger stark betroffen (im Gegensatz zur Brandseeschwalbe) aufgrund der geringeren Spezialisierung auf Fischnahrung [4].

Eine Ausweisung von Schutzgebieten ist für die Sicherung des Bestandes unabdingbar. Für die Nordsee und die Ostsee wurden vom BfN bereits Schutzgebiete vorgeschlagen, welche zum Teil auch FFH-Gebiete darstellen.


zurück zum Inhalt

Quellen:
[1] © E. Hoyer
[2] Walther Thiede: Wasservögel und Strandvögel, Arten der Küsten und Feuchtgebiete, 5. Auflage, BLV-Naturführer, 1997, S. 118.
[3] Andreas J. Helbig, Jan Kube: Die Ostsee als Brut- und Überwinterungsgebiet für Meeres- und Küstenvögel, S. 222-231 (225), in: José L. Lozan, Reinhard Lampe, Wolfgang Matthäus, Eike Rachor, Heye Rumohr, Hein von Westernhagen (Hrsg.): Warnsignale aus der Ostsee, Berlin 1996.
[4] Hans-Günther Bauer, Peter Berthold: Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung, Wiesbaden: Aula-Verlag, 1996, S. 224.
[5] Andreas J. Helbig, Jan Kube: a.a.O., S. 225.