Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Der Kranich

Der Kranich (Grus grus) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 127). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich seines Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in seinem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen (siehe unter Gefährdung).


Einordnung

Der Kranich gehört zur Familie der Kranichvögel (Gruidae).


Vorkommen

Dieser scheue Zugvogel verbringt die Zeit von Mitte März/April bis September/Oktober in sumpfigen Gegenden Nordeuropas und Nordrusslands, meist in Bruchwäldern oder Mooren in Waldgebieten, die kaum von Menschen besiedelt sind [1]. Während der Zugzeit rastet er in Sumpfgebieten und auf Feldern Mittel- und Osteuropas. Bedeutende Sammelplätze sind der Hornborgasee in Schweden und Rügen [1]. Sein Überwinterungsgebiet befindet sich in Nord- und Ostafrika, einige überwintern auch in Südeuropa [2].


Merkmale

Der Kranich ist unverkennbar durch seine Größe und Gestalt. Er erreicht eine Länge von etwa 115cm und eine Höhe von etwa 120cm. Die Spannweite seiner Flügel beträgt dabei bis zu 240cm. Der Rumpf, die Flügel und die Füße des Kranichs sind silbergrau, der Schwanz ist dunkler. Kopf und Hals sind schwarz und mit weißen Seitenstreifen versehen, die hinter dem Auge beginnen. Am Vorderkopf befindet sich ein unauffälliger roter Scheitel. Kraniche haben einen spitzen, kräftigen Schnabel und lange Beine. Sein schönster Schmuck sind die stark verlängerten Schirmfedern, die buschig über den Schwanz hängen [1]. Das Federkleid der Jungvögel ist graubraun gefärbt und besitzt noch nicht die kontrastreiche Kopf- und Halsfärbung [1].


Abbildung 1: Rufende Kraniche [3]


Fortpflanzung

Auf dem Flug sind Kraniche sehr gesellig, sie fliegen regelmäßig in Keilform mit langem, ausgestrecktem Hals [4], die langen Beine überragen den Schwanz. Sie benutzen thermische Aufwinde (oft über Städten), um segelnd an Höhe zu gewinnen [1].


Ernährung

Kraniche sind „Allesfresser“, sie ernähren sich von Samen, Früchten, Wurzeln, aber auch von Insekten, Weichtieren, Mäusen und Fröschen.


Fortpflanzung/Brut

Diese Vögel errichten jährlich ihr Nest an der gleichen Stelle, wobei der Nestbau durch das Weibchen und das Männchen zusammen erfolgt. Das Nest besteht aus Pflanzenmaterialien, welches sich in Sümpfen, oft auf kleinen Inseln befindet. Die Brut findet einmal im Jahr in der Zeit von April bis Juni nach einer beeindruckenden Balz statt. Der „Tanz“ der Kraniche ist gekennzeichnet durch unterschiedliche Tanzfiguren, die geprägt sind durch Luftsprünge, Flügelschlagen, Verbeugungen und das In-die-Luft-werfen von Steinen und Pflanzenteilen.

Beide Elternteile brüten abwechselnd die beiden Eier aus. Die Brutdauer beträgt etwa 29 Tage. Während ein Elternteil brütet, hält der andere Wache. Die Jungvögel sind Nestflüchter, im Alter von 9 bis 10 Wochen sind sie flugfähig.


Gefährdung

Der Rückgang des Bestandes stellt eine ernsthafte Gefahr für die Erhaltung der natürlichen Umwelt dar, da durch diese Entwicklung insbesondere das natürliche Gleichgewicht bedroht wird (siehe Vogelschutz-Richtlinie der EG).

Eine Gefahr für den Bestand des Kranichs liegt in der Gefährdung der Brut- und Rastplätze, welche sich infolge menschlicher Aktivitäten wie Entwässerung, Bau von Dämmen, landwirtschaftliche Expansion und Urbanisierung der Feuchtgebiete verschlechtert haben bzw. entfallen sind, aber auch die Jagd stellt ein entscheidendes Kriterium für die Verringerung der Population dar [5].

Der Bestand der Kraniche ist davon abhängig, ob ihre Rastplätze zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten als überlebensnotwendige Trittsteine erhalten bleiben [6], vor allem die flachen Küstengewässer der Vorpommerschen Boddenlandschaft stellen geeignete Schlafplätze und vielfältige Nahrungsräume für den Kranich dar, weshalb eine Ausweisung dieses Bereiches als Schutzgebiet nach der Vogelschutzrichtlinie unbedingt erforderlich ist.


zurück zum Inhalt

Quellen:
[1] Bertel Bruun, Hakan Delin, Lars Svensson: Der Kosmos-Vogelführer, Die Vögel Deutschlands und Europas,
10. Auflage, 1993, Stuttgart, S. 102.
[2] Wolfgang Makatsch: Die Vögel Europas, 7. Auflage, 1994, Radebeul, S. 241.
[3] © E. Hoyer
[4] Wolfgang Makatsch, a.a.O.: S. 240.
[5] Vgl. Hauptgefahr unter: http://kraniche.vogelfreund.net/deutsch/grus/lexikon/status/index.html.
[6] Im Internet: http://www.nabu.de/m05/m05_03/01458.html.