Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Der Goldregenpfeifer

Der Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 140). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich seins Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in seinem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen.


Einordnung

Der Goldregenpfeifer gehört zur Familie der Regenpfeifer (Charadriidae), die sich dadurch auszeichnen, dass sie klein bis mittelgroß sind und relativ lange Beine und einen kurzen Schnabel haben.


Vorkommen

Dieser Zugvogel lebt in der Brutzeit in Mooren, Heiden, und Tundren Islands, Skandinaviens und Groß Britanniens, die eine niedrige Vegetation haben. In Mitteleuropa ist er praktisch ausgestorben bis auf ein Restvorkommen in Niedersachsen [1]. Während der Winterzeit lebt er in Westeuropa im Mittelmeerraum, aber er kommt auch als Durchzügler im Wattenmeer der Nordseeküste vor [2], welches als typisches Rast- und Durchzugsgebiet herausragende Bedeutung als regelmäßiger Bestandteil seines Lebenszyklus hat, da mindestens 1% der biogeographischen Population (entsprechend des Kriteriums nach der Ramsar-Konvention) das Wattenmeer nutzen [3]. Ebenso gehört der Goldregenpfeifer zu den Vogelarten, für welche die deutsche Ostseeküste eine besondere Bedeutung als Rast-, Durchzugs- und Überwinterungsgebiet hat [4], da auch hier das 1%-Kriterium nach der Ramsar-Konvention erfüllt ist.


Merkmale

Der Goldregenpfeifer erreicht eine Größe von etwa 28 cm. Er ist in allen seinen Kleidern an den schwarzbraunen, breit goldgelblich gesäumten Federn der Oberseite und an den weißen Unterflügeln und Achselfedern zu erkennen [5]. Im Prachtkleid ist er an der durch einen weißen Streifen von der goldbraunen Oberseite getrennten schwarzen Unterseite unverkennbar. Die Beine sind schwarz. Die Jungvögel haben eine gelbbraun gefleckte Brust und keinen schwarzen Bauch, ihre Beine sind bleigrau.


Abbildung 1: Goldregenpfeifer [6]


Ernährung

Goldregenpfeifer ernähren sich hauptsächlich von Insekten, Würmern, Spinnen und Schnecken und Krebse [7], nehmen als Beikost aber auch Beeren, Blätter und Früchte zu sich.


Fortpflanzung/Brut

Das Nest dieser Vögel stellt meist eine mit Pflanzenmaterial ausgelegte Mulde am Boden dar. Hierin werden dann in der Brutzeit von April bis Juni 4 dunkel gefleckte Eier gelegt. Die Brut dauert 28–34 Tage [7]. Nach etwa 32 Tagen sind die Jungen bereits flügge.


Gefährdung

Goldregenpfeifer wurden in früheren Zeiten wie alle Limicolen an der Nordseeküste gejagt, weil diese Vögel ein ausgezeichnetes Wildbret lieferten [8]. Ein weiterer Grund für den Rückgang lag und liegt in den „Kultivierungsmaßnahmen“ der Brutgebiete; im 19. Jahrhundert war der Goldregenpfeifer noch ein typischer Brutvogel der küstennahen Heideflächen in Norddeutschland [9].

Weitere Gefährdungsursachen sind die Zerstörung seines Lebensraumes durch Melioration, Entwässerung und Grundwasserabsenkung, industrieller Torfabbau, Aufforstung von Mooren sowie mechanische Einwirkungen und Intensivierung der Nutzung einschließlich Grünlandumbruch und Eutrophierung, ebenso wie die direkte Verfolgung durch Eiersammler und Störungen der Brutgebiete durch intensive Freizeitnutzung [10]. Um seinen Bestand zu erhalten sind deshalb weltweite Schutzbestrebungen erforderlich.


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Quellen:
[1] Bertel Bruun, Hakan Delin, Lars Svensson: Der Kosmos-Vogelführer, Die Vögel Deutschlands und Europas, 10. Auflage, 1993, Stuttgart, S. 116.
[2] Vgl. Georg Quedens: Vögel der Nordsee, 6. Auflage, Breklumer Verlag, 1997, S. 89, 93.
[3] Bernd Hälterlein, Hartmut Heckenroth, Thomas Merck: Rote Liste der Brutvogelarten des deutschen Wattenmeer- und Nordseebereichs (mit Anhängen: nicht gefährdete Brut- und Gastvogelarten besonderer Bedeutung), S. 119-133, in: Henning von Nordheim, Thomas Merck (Bearb.): Rote Listen der Biotoptypen, Tier- und Pflanzenarten des deutschen Wattenmeer- und Nordseebereichs, Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 44, BfN, Bonn – Bad Godesberg 1995, S. 128.
[4] Ulrich Brenning, Rolf K. Berndt, Werner Eichstädt, Wilfried Knief, Horst Schröder, Dietrich Sellin, Bernd Struwe-Juhl: Rote Liste der Vogelarten des deutschen Meeres- und Küstenbereichs der Ostsee (S. 95-104), in: Thomas Merck, Henning von Nordheim (Bearb.): Rote Listen und Artenlisten der Tiere und Pflanzen des deutschen Meeres- und Küstenbereichs der Ostsee, Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 48, BfN, Bonn - Bad Godesberg 1996, S. 101.
[5] Wolfgang Makatsch: Die Vögel Europas, 7. Auflage, 1994, Radebeul, S. 258.
[6] © E. Hoyer
[7] Walther Thiede: Wasservögel und Strandvögel, Arten der Küsten und Feuchtgebiete, 5. Auflage, BLV Naturführer, 1997, S. 74.
[8] Georg Quedens: a.a.O., S. 93.
[9] Georg Quedens: a.a.O., S. 95.
[10] Hans-Günther Bauer, Peter Berthold: Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung, Wiesbaden: Aula-Verlag, 1996, S. 176.