Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Die Flussseeschwalbe

Die Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 193). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen.


Einordnung

Die Flussseeschwalbe gehört zur Familie der Seeschwalben (Sternidae).


Vorkommen

Dieser Brutvogel ist sehr anpassungsfähig und kommt in ganz Europa vor (außer in Island und weiten Teilen Südeuropas) sowie in Teilen Tunesiens. Die Flussseeschwalbe lebt entlang der europäischen Atlantik-, Nordsee-, Ostsee- und Mittelmeerküste. Im Binnenland kann man sie manchmal aber auch an größeren Seen und Flüssen mit grasigen Ufern und sumpfigen, wasserreichen Niederungen finden. Trotz ihres Namens ist sie heute im Binnenland bis auf geringe Restbestände ausgerottet. Flussseeschwalben sind Zugvögel, die im August in kleinen Schwärmen südwärts ziehen und meist an den tropischen Küsten Afrikas überwintern. Ende April kehren sie jedoch in ihre mitteleuropäischen Brutgebiete zurück.


Merkmale

Diese Vogelart ist erkennbar an ihrem roten Schnabel mit der schwarzen Spitze und den roten Füßen [1]. Erwachsene Flussseeschwalben haben ein silbriggraues Federkleid, der Kopf oberhalb des Schnabels ist schwarz gefärbt ist, die Wangen sind auffallend weiß, auch der Bauch ist weiß. Die Flügelspitzen sind dunkelgrau und schwarz Im Winterkleid hat sie einen schwarzen Schnabel und eine helle Stirn. Die Jungvögel tragen graue Federn mit rostgelben Säumen. Daher erscheint das Federkleid rostbräunlich. Flussseeschwalben erreichen eine Länge von etwa 35cm. Die Spannweite ihrer Flügel beträgt etwa 80cm.


Abbildung 1: Flussseeschwalbe [2]


Fortbewegung

Die Flussseeschwalbe bewegt sich mit ruckigen Flügelschlägen fort. Meist sitzt sie mit eingezogenem Kopf und über dem Schwanz gekreuzten Flügeln. Sie ist nur eine sehr schlechte Schwimmerin, ruht sich aber gelegentlich auf dem Wasser aus. Beim Starten und Landen reckt sie elegant die langen Schwingen in die Höhe. Bei der Jagd rudert, schwebt und rüttelt sie fast pausenlos über dem Wasser mit steil nach unten gerichtetem Schnabel.


Ernährung

Diese Vögel sind Stoßtaucher, welche ihre Nahrung im Rüttelflug anpeilen und dann senkrecht ins Wasser stoßen. Flussseeschwalben ernähren sich von kleinen Fischen, Kaulquappen, jungen Fröschen, Blutegeln, Wasserinsekten und Krebstieren.

Fortpflanzung/Brut

Die Brutkolonien dieser Vögel befinden sich teils auf Kies oder Sand, meist auf Inseln oder zwischen Dünen, teils auch in leichter Vegetation. Die Nester sind meist ausgepolsterte Bodenmulden, in welche die Weibchen dann 3 grau-schwarzgefleckte Eier legen. Vor der Paarbildung findet eine gestenreiche Balz statt, die u.a. aus dem Paarfliegen besteht, wobei das Männchen einen Fisch im Schnabel trägt.

Flussseeschwalben brüten einmal im Jahr von Mai bis Juni. Die Brut dauert 20–22 Tage [1]. Beide Eltern wechseln sich tagsüber häufig beim Brüten ab.

Mit 4 Wochen sind die Jungtiere flugfähig, so dass Mitte Juli der Abzug der Altvögel mit ihren Jungen erfolgen kann. Den Küsten folgend ziehen sie bis hinunter zu den Küsten Westafrikas.


Gefährdung

Der Rückgang des Bestandes stellt eine ernsthafte Gefahr für die Erhaltung der natürlichen Umwelt dar, da durch diese Entwicklung insbesondere das natürliche Gleichgewicht bedroht wird (siehe Vogelschutz-Richtlinie der EG). Möglicherweise sind Klimaveränderungen die Ursache für den Rückgang der Anzahl brütender Vögel. Flussseeschwalben sind aber hauptsächlich durch menschliche Tätigkeiten gefährdet, vor allem durch Habitatverluste infolge von Küstenschutzmaßnahmen, welche die Neuentstehung von Nehrungshaken und Sandbänken stark eingeschränkt haben [3], aber auch durch die Störung an den Brutplätzen durch Freizeitnutzung der Küsten durch Badeurlauber, Wassersport, und Raubwild (Fuchs und verwilderte Hauskatzen und Nerze) [4].

Die Gefährdung der Brut durch Überflutungen und die Belastung der Gewässer mit Bioziden, Öl und Abwässern sowohl in den Brut- als auch den Überwinterungsgebieten [5] stellen ebenfalls bedeutende Ursachen für den Bestandsrückgang dar.

Eine Ausweisung von Schutzgebieten ist für die Sicherung des Bestandes unabdingbar. Für die Nordsee und die Ostsee wurden vom BfN bereits Schutzgebiete vorgeschlagen, welche zum Teil auch FFH-Gebiete darstellen.


zurück zum Inhalt

Quellen:
[1] Vgl. Walther Thiede: Wasservögel und Strandvögel, Arten der Küsten und Feuchtgebiete, 5. Auflage, BLV-Naturführer 1997, S. 118.
[2] © E. Hoyer
[3] Andreas J. Helbig, Jan Kube: Die Ostsee als Brut- und Überwinterungsgebiet für Meeres- und Küstenvögel, S. 222-231 (225), in: José L. Lozan, Reinhard Lampe, Wolfgang Matthäus, Eike Rachor, Heye Rumohr, Hein von Westernhagen (Hrsg.): Warnsignale aus der Ostsee, Berlin 1996.
[4] Andreas J. Helbig, Jan Kube: a.a.O., S. 225.
[5] Hans-Günther Bauer, Peter Berthold: Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung, Wiesbaden: Aula-Verlag, 1996, S. 222.