Anhang I – Arten in der AWZ
(Brut-, Zugvogel oder Nahrungsgast)



Die Brandseeschwalbe

Die Brandseeschwalbe (Sterna sandvicensis) ist eine nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Vogelart (EU-Code Nr. A 191). Das hat zur Konsequenz, dass besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihres Lebensraumes zu treffen sind, um ein Überleben und die Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen (vgl. Art. 4 Abs. 1 S. 1 Vogelschutz-Richtlinie). Dies muss u.a. in der Form von Schutzgebietsausweisungen erfolgen (siehe unter Gefährdung).


Einordnung

Die Brandseeschwalbe gehört zur Familie der Seeschwalben (Sternidae).


Vorkommen

Brandseeschwalben bewohnen alle Erdteile. Sie bevorzugen fischreiche Meeresküsten mit klarem, flachem Wasser, kleine Inseln und Sandbänke [1]. Während der Brutzeit leben sie in geeigneten Habitaten an den europäischen Küsten des Atlantiks, der Nord- und Ostsee, dem Mittelmeer, Kaspischen und Schwarzen Meer und ziehen dann Ende August zu ihrem Winterquartier an die süd- und westafrikanischen Küsten.


Merkmale

Diese Schwalbenart ist mit einer Länge von 41cm und einer Flügelspannweite von 110cm recht groß. Die Brandseeschwalbe kann man an ihrem langen, schlanken, schwarzen Schnabel mit weißgelber Spitze und der struppigen Federhaube im Nacken und ihren schmalen langen Flügeln erkennen. Die Oberseite ihres Federkleides ist möwengrau, die Unterseite weiß, sie hat schwarze Füße und einen tief gegabelten Schwanz [2]. Im Schlichtkleid ist ihre Stirn weiß und der Oberkopf mit weißen Federn durchsetzt. Jungvögel haben meist einen ganz dunklen Schnabel und nur wenig weiß auf der Stirn, Rücken, Schwanz und Vorderflügel sind dunkel gemustert.


Abbildung 1: Brandseeschwalbe [3]


Fortbewegung

Die Brandseeschwalbe ist erkennbar an ihrem kraftvollen Flug mit tiefen, eiligen Flügelschlägen.

Ernährung

Diese Vögel sind ebenfalls treffsichere Stoßtaucher, welche sich hauptsächlich von kleinen Fischen ernähren. Als Beikost nehmen sie aber auch Krebse und Weichtiere wie Schnecken und Würmer zu sich. Ihre Nahrung suchen sie hauptsächlich im marinen oder brackischen Flachwasserbereich, selten im Süßwasser im Binnenland [4].


Fortpflanzung/Brut

Brandseeschwalben brüten in riesigen, dicht gedrängten Kolonien einmal im Jahr von Mai bis Juni bevorzugt auf flachen, sandigen Wällen mit spärlicher Vegetation in Strandnähe. Vorher findet ebenso wie bei den anderen Seeschwalben eine gestenreiche Balz (Flug mit Fisch und Kreistanz) zur Paarbildung statt. Beide Elternteile brüten abwechselnd die 2 Eier aus, welche in flache Mulden im Sand- oder Kiesboden liegen. Die Brut dauert 20–24 Tage [1]. Einige Tage nach dem Schlüpfen verlassen die Jungvögel den eigentlichen Bereich der Kolonie und suchen sich in benachbarter Vegetation ihre Versteckplätze und wenn sie einige Wochen alt sind, wandern sie zum Uferrand [5]. Im Alter von etwa 35 Tagen sind die Jungvögel flügge [1]. Dann ziehen die Brandseeschwalben südwärts zu ihren Winterquartieren.


Abbildung 2: Brandseeschwalbenkolonie [3]


Gefährdung

Der Rückgang des Bestandes stellt eine ernsthafte Gefahr für die Erhaltung der natürlichen Umwelt dar, da durch diese Entwicklung insbesondere das natürliche Gleichgewicht bedroht wird (siehe Vogelschutz-Richtlinie der EG). Brandseeschwalben sind hauptsächlich durch menschliche Tätigkeiten gefährdet, vor allem durch Habitatverluste infolge von Küstenschutzmaßnahmen, welche die Neuentstehung von Nehrungshaken und Sandbänken stark eingeschränkt haben [6], aber auch durch die Störung an den Brutplätzen durch Freizeitnutzung der Küsten durch Badeurlauber, Wassersport, und Raubwild (Fuchs und verwilderte Hauskatzen und Nerze) [7]. Deshalb ist eine Ausweisung von Schutzgebieten notwendig, um den Bestand dieser Vogelart zu sichern. Für die Nordsee und die Ostsee wurden vom BfN bereits Schutzgebiete vorgeschlagen, welche zum Teil auch FFH-Gebiete darstellen. Im Bereich der Nordsee stellen Schadstoffe und Herbizide ebenfalls eine Ursache für den Bestandsrückgang dar [8]. Als Fischfresser ist diese Art generell hoher Kontamination mit Umweltgiften ausgesetzt [9].


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Quellen:
[1] Walther Thiede: Wasservögel und Strandvögel, Arten der Küsten und Feuchtgebiete, 5. Auflage, BLV Naturführer, 1997, S. 116.
[2] Wolfgang Makatsch: Die Vögel Europas, 7. Auflage, Neumann Verlag Radebeul, 1994, S. 306.
[3] © E. Hoyer
[4] Hans-Günther Bauer, Peter Berthold: Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung, Wiesbaden: Aula-Verlag, 1996, S. 219.
[5] Georg Quedens: Vögel der Nordsee, 6. Auflage, Breklumer Verlag, 1997, S. 77.
[6] Andreas J. Helbig, Jan Kube: Die Ostsee als Brut- und Überwinterungsgebiet für Meeres- und Küstenvögel, S. 222-231 (225), in: José L. Lozan, Reinhard Lampe, Wolfgang Matthäus, Eike Rachor, Heye Rumohr, Hein von Westernhagen (Hrsg.): Warnsignale aus der Ostsee, Berlin 1996.
[7] Andreas J. Helbig, Jan Kube: a.a.O., S. 225.
[8] Bernd Hälterlein, Hartmut Heckenroth, Thomas Merck: Rote Liste der Brutvogelarten des deutschen Wattenmeer- und Nordseebereichs (mit Anhängen: nicht gefährdete Brut- und Gastvogelarten besonderer Bedeutung), S. 119-133, in: Henning von Nordheim, Thomas Merck (Bearb.): Rote Listen der Biotoptypen, Tier- und Pflanzenarten des deutschen Wattenmeer- und Nordseebereichs, Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz Heft 44, BfN, Bonn – Bad Godesberg 1995, S. 126.
[9] Hans-Günther Bauer, Peter Berthold: Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung, Wiesbaden: Aula-Verlag, 1996, S. 220.