Arten



Der Seehund

Der Seehund (Phoca vitulina) ist ebenfalls als geschützte Art im Anhang II der FFH-Richtlinie aufgeführt (EU-Code Nr. 1365).


Einordnung

Diese Tierart ist ein Raubtier und gehört wie die Kegelrobbe zur Familie der Hundsrobben (Phocidae), die bestens an das Leben im Wasser angepasst sind.


Vorkommen

Er ist sowohl an den Küsten des Nordatlantiks als auch in Nord- und Ostsee in kleinen Gruppen anzutreffen. Ein Schwerpunkt seines Vorkommens ist das Wattenmeer der Deutschen Bucht, aber auch in der AWZ findet man den Seehund (siehe Karte).

Gebietsvorschläge des BfN bezüglich der marinen NATURA-2000-Schutzgebiete basieren bislang überwiegend auf Seehundpopulationen. Der Seehund kann an Felsküsten und auf Sandbänken leben.


Merkmale

Der Körper des Seehundes ist torpedoförmig (siehe Abbildung 1). Er hat einen verhältnismäßig großen, runden Kopf, einen relativ kurzen Rumpf und kurze Flossen. Der Kopf geht in den Rumpf über, ohne dass äußerlich ein Hals erkennbar ist. Zusammen mit den hinteren Gliedmaßen sorgt der hintere Teil der kräftigen und beweglichen Wirbelsäule durch seitliche Bewegungen für die Fortbewegung im Wasser. Die Steuerfunktion wird von den vorderen Gliedmaßen übernommen.

Die meisten Seehunde haben ein graues Fell mit dunklen Flecken, wobei die Farbe der Flecken von hellgrau bis dunkelbraun oder schwarz variieren kann.

Männliche Seehunde werden bis zu 1,80m lang und wiegen bis zu 130kg, die Weibchen sind etwas kleiner. Ein beträchtlicher Teil des Gewichts entfällt auf das Fettgewebe unter der Haut, welches die Tiere vor Auskühlung schützt. Sie haben große Augen und kugelförmige Augenlinsen. Dadurch sehen sie im Wasser scharf, am Land dagegen nur verschwommen.


Abbildung 1: Seehund an der Wasserkante [1]


Lebensdauer

Seehunde können bis zu 40 Jahre alt werden.


Fortbewegung

Gewöhnlich legen sie keine großen Strecken zurück. Seehunde gehen meist in geschützten Buchten zwischen den Felsen an Land und schwimmen auch in Flüsse und Seen.

Diese Robbenart kann bis zu 30min unter Wasser bleiben und mehr als 100m tief tauchen. Meist tauchen sie jedoch nicht länger als 4-5min. Durch die langen Barthaare kann der Seehund Gegenstände ertasten und spürt selbst allerfeinste Wasserbewegungen.


Ernährung

Diese Säugetiere ernähren sich hauptsächlich von Fischen, Tintenfischen und Krebstieren. Sie jagen bei Flut nach Plattfischen wie Schollen oder Flundern. Jungtiere bevorzugen Garnelen und kleinere Fische. Ein Seehund benötigt täglich bis zu 5kg Fisch.


Fortpflanzung

Balz und Paarung erfolgt bei ihm im Wasser. Die Jungtiere werden aber nach einer achtmonatigen Tragezeit auf dem Land oder Eis geboren und sind bereits von Geburt an schwimmfähig. Das Jungtier wird etwa 4-6 Wochen gesäugt. Danach wird es entwöhnt und selbständig. Wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist, paart sich das Weibchen erneut.

In der Regel bringt das Weibchen nur ein Junges zur Welt. Hin und wieder gibt es auch Zwillingsgeburten. Da die Mutter aber nur einem Jungen folgen kann, verwaist das andere und wird zum so genannten „Heuler“ (verlassenes Jungtier).


Gefährdung

Diese Robbenart ist gefährdet, weil das weiße Fell der jungen Robben bei Robbenjägern sehr begehrt ist und deshalb die Jungen oft in großer Zahl erschlagen werden.

Eine andere Bedrohung stellt die Verschmutzung der Meere dar. Die Seehunde speichern die giftigen Pflanzenschutzmittel oder Schwermetalle, die in die Meere geleitet werden, und verlieren dadurch ihre Widerstandskraft. Vor allem die Seehundstaupe, die zuletzt im Jahre 2002 zu einem Populationsrückgang von mehr als 20.000 Tieren geführt hat, ist sehr gefährlich für Seehunde.

Auch der Verlust der Lebensräume u.a. durch Schiffsverkehr und Windkraftanlagen und die Gefährdung durch Fischernetze, in denen sie sich oft verfangen und dann ersticken, führt zu einem Populationsrückgang.


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Quellen:
[1] © Dipl.-Geogr. Katrin Wollny-Goerke. Das Urheberrecht verbleibt bei der Bildautorin. Die Nutzung des Fotos ist nur für diese Internetpräsenz und das zugehörige Buch gestattet.