Arten



Der Nordsee-Schnäpel

Der Nordsee-Schnäpel (Coregonus [Lavaretus] oxyrhinchus) ist eine nach Anhang II und IV der FFH-Richtlinie geschützte Fischart (EU-Code Nr. 1113). Der Schutz dieser Art macht eine Sicherung seines Lebensraumes im Rahmen des Netzes NATURA 2000 unverzichtbar.


Einordnung

Dieser Fisch gehört zur Familie der Lachse (Salmonidae) in der Gattung der Coregonen (Coregonus oxyrhinchus) wie die Maränen, Felchen und Renken.


Vorkommen

Der Nordsee-Schnäpel kommt in Europa in verschiedenen Unterarten von den Britischen Inseln und Irland über Nord- und Ostsee küstennah in den Ästuarien und Wattenmeergebieten und entlang der russischen Küste vor, aber auch in den Küstengewässern Nordasiens und Alaskas. Diese Art war früher auch im mecklenburgischen Elbebereich anzutreffen und Gegenstand der Fischerei gewesen, mit ihrem Rückgang im Nordseegebiet aber auch in diesem Bereich verschollen [1]. Das erneute Anwachsen des Nordseebestandes lässt in absehbarer Zeit auf das Wiederauftreten dieser Art in den Elbeabschnitten Mecklenburgs hoffen, wofür einzelne Nachweise aus den 90er Jahren aus der unteren und mittleren Elbe sprechen.


Merkmale

Dieser Fisch hat einen lang gestreckten Körper, eine Fettflosse und eine tief eingeschnittene Schwanzflosse. Die Schuppen sind groß und die Seitenlinie ist vollständig ausgebildet. Ein besonderes Merkmal ist die vorspringende schwarzblaue Nase, an welcher dieser Fisch leicht zu erkennen ist. Die Mundspalte ist eng und unterständig und reicht bis zum vorderen Augenrand. Die Färbung des Rückens ist baugrau bis olivgrün. Die Flanken und der Bauch sind silberfarben und haben meist einen bläulichen oder rötlichen Glanz. Der Nordsee-Schnäpel wird im Durchschnitt 25–40cm groß (maximal 50cm) und kann dabei ein Gewicht von bis zu 2kg erreichen.


Lebensdauer

Diese Art kann bis zu 10 Jahre alt werden.


Ernährung

Die Larven und Jungfische ernähren sich von Plankton, später von Fliegenlarven, Muscheln, Krebsen und anderen Jungfischen.


Fortpflanzung

Der Nordsee-Schnäpel ist ein anadromer Süßwasserfisch, der als Jungfisch die Flüsse hinab in die Küstengewässer zieht und zum Laichen wieder in die Flüsse zurückkehrt. Die Laichzeit findet von Oktober bis Dezember statt. Mit 4 Jahren erreicht er seine Laichreife. Der Nordsee-Schnäpel lebt die meiste Zeit vor und in den Flussmündungen des Wattenmeeres und steigt dann in großen Schwärmen im Herbst die Flüsse aufwärts, wo die Weibchen dann 30.000 bis 50.000 Eier über Sand oder Kies ab.


Gefährdung

Der Nordsee-Schnäpel galt bis vor einigen Jahren in der BRD als ausgestorben, es gab nur noch einen Restbestand in der Vidau, einem dänisch-deutschen Grenzfluss. Ursachen für diesen Bestandsrückgang sind u.a. Wasserbaumaßnahmen in den Flüssen und die hohe Schadstoffbelastung. Aber auch die Verschlammung der Laichplätze und die Schifffahrt in den Flüssen und der dadurch entstandene Wellenschlag stellen eine Gefährdungsursache dar [2]. Deshalb ist für die Erhaltung dieser Fischart eine Ausweisung von Schutzgebieten im Rahmen des Netzes NATURA 2000 unverzichtbar.

Der Nordsee-Schnäpel benötigt als Schutzgebiete die gesamten Ästuargebiete von Ems, Weser, Elbe und Eider, die unmittelbar angrenzenden Wattenmeergebiete sowie die unmittelbar angrenzenden Gebiete der Deutschen Bucht; binnenwärts werden zusätzlich durchgängig angeschlossene Flussbereiche (Laichgewässer) als Schutzgebiete benötigt (Nordsee-Schnäpel suchen ihre Laichgewässer im Bereich der Mittelläufe der Flüsse) [3].


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Quellen:
[1] H. Winkler, A. Waterstraat, N. Hamann (Bearb.): Rote Liste der Rundmäuler, Süßwasser- und Wanderfische Mecklenburg-Vorpommerns, Schwerin 2002, S. 15.
[2] Ronald Fricke: Auswahl und Management mariner NATURA-2000-Gebiete für Fischarten im Anhang II der FFH-Richtlinie, in: Barbara Petersen, Ulf Hauke & Axel Ssymank (Bearb.): Der Schutz von Tier- und Pflanzenarten bei der Umsetzung der FFH-Richtlinie; Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz, Heft 68; Bundesamt für Naturschutz 2000; S. 113 ff. (118).
[3] Ronald Fricke: Auswahl und Management mariner NATURA-2000-Gebiete für Fischarten im Anhang II der FFH-Richtlinie, in: Barbara Petersen, Ulf Hauke & Axel Ssymank (Bearb.): Der Schutz von Tier- und Pflanzenarten bei der Umsetzung der FFH-Richtlinie; Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz, Heft 68; Bundesamt für Naturschutz 2000; S. 113 ff. (123).