Arten



Die Kegelrobbe

Die Kegelrobbe (Halichoerus grypus) ist ein nach Anhang II der FFH-Richtlinie geschütztes Meeressäugetier (EU-Code Nr. 1364). Das bedeutet, dass für diese Art besondere Schutzgebiete (BSG) für das Netz NATURA 2000 vorzuschlagen und dauerhaft zu sichern sind.

Zu den Vorschlagsgebieten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) siehe für die Nordsee Karte 1 „NATURA 2000 Schutzgebietsvorschläge nach der FFH-Richtlinie“ und für die Ostsee Karte 6 „NATURA 2000 Schutzgebietsvorschläge nach der FFH-Richtlinie“.


Einordnung

Die Kegelrobbe gehört innerhalb der Ordnung der Robben (Pinnipedia) zur Familie der Hundsrobben (Phocidae), welche sich durch fehlende Ohrmuscheln auszeichnet.


Vorkommen

Diese Tiere kommen an den subarktischen bis kalttemperierten Küsten beiderseits des Nordatlantiks vor. Sie leben in Küstengewässern und an felsigen Küstenabschnitten, aber auch in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) findet man sie (siehe Karte). Man findet sie häufig in britischen, isländischen und neufundländischen Gewässern. Sie leben auch im nordwestlichen und nordöstlichen Atlantik und sind die häufigste Art der Ostsee mit von Ost nach West deutlich abnehmender Besiedlungsdichte [1].


Merkmale

Ihren seltsamen Namen hat die Kegelrobbe wegen ihres langen, kegelförmigen Kopfes erhalten. In vielen anderen Ländern ist sie als „Graue Robbe“ bekannt, obwohl sie ein geflecktes Fell hat (siehe Abbildung 1). Die männliche Kegelrobbe ist dunkel mit hellen Flecken, das Weibchen hat ein helles Fell mit dunklen Flecken. Kegelrobben sind kräftige Tiere und haben einen spindelförmigen Körper mit einer dicken Fettschicht unter der Haut, die den größten Teil ihres Gewichts ausmacht.

Die männliche Kegelrobbe kann bis zu 320kg schwer und 2,50m lang werden. Sie wiegt damit fast zweimal so viel wie das Weibchen, welches auch nur bis 1,80m lang wird. Die Bullen haben massive Schultern, über welche die dicke Haut in Falten hängt, eine kegelförmig verlängerte Schnauze und eine breite dicke Nase. Das Profil des Weibchens ist ein wenig abgeflacht, die Schnauze ist schlanker und weniger plump.


Abbildung 1: Kegelrobbe mit Jungtier [2]


Lebensdauer

Diese Tiere können bis zu 30 Jahre alt werden.


Fortbewegung

Diese Säugetiere sind bestens an das Leben im Wasser angepasst. Sie sind perfekte Schwimmer und Taucher, die sich mit wellenförmigen Bewegungen des Hinterleibs und der hinteren Flossenfüße fortbewegen. Indem Kegelrobben ihre hinteren Flossenfüße aber nicht nach vorn drehen können, setzen sie an Land nur ihre vorderen Gliedmaßen ein, was sie hier recht unbeholfen macht.


Ernährung

Wie die meisten Robben ernährt sich die Kegelrobbe überwiegend von Fischen, Tintenfischen, Kraken und Krebsen. Sie braucht täglich bis zu 10kg Nahrung. Kegelrobben können in großen Tiefen (bis zu 140m) nach Nahrung tauchen und lange (bis zu 20min) unter Wasser bleiben.

Sie rasten bei Niedrigwasser auf Felsen und Sandbänken, bei Hochwasser gehen sie auf die Jagd.


Fortpflanzung

Diese Robbenart entfernt sich weit von ihren Brutplätzen, die an Felsküsten liegen. Doch bleiben sie meist noch in den Küstengewässern. Nach einer elfmonatigen Tragezeit werden die Jungen geboren. Zu diesem Zeitpunkt sind sie schon 100cm lang und können zwischen 11-20kg wiegen. Das Muttertier säugt seine Jungen etwa 4 Wochen lang. Danach werden die Jungen entwöhnt, ihr helles Fell wird dunkel und sie werden selbständig. Dann paaren sich die Kegelrobben erneut und verlassen wieder die Brutplätze.


Gefährdung

Der einzig natürliche Feind der Kegelrobbe ist der Schwertwal. Viel gefährlicher ist dagegen der Mensch, der seit jeher das dichte Fell der Kegelrobbe sehr schätzt und in dessen Fischnetzen sie sich immer wieder verfangen, dadurch am Luftholen gehindert werden und ertrinken. Durch die intensive Fischerei in der Ostsee sterben jährlich etwa 400 Robben, es besteht ferner die Gefahr, dass die negativen Auswirkungen durch Störungen mit Intensivierung des Tourismus und des Handels zwischen den Ostseeländern zunehmen [3].

In der Ostsee ist die Population u.a. infolge der hohen Belastung mit Chlorkohlenwasserstoffen bereits unter 1% der Ursprungszahl gesunken und vom Aussterben bedroht. Die Kegelrobbe lebte bis etwa 1900 auch an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns, wurde aber dann bis 1920 infolge ihrer Bejagung ausgerottet. Wiederansiedlungsbemühungen des BfN im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft sind u.a. am Widerstand der Fischer gescheitert Das BfN hatte das Ziel, in einem exemplarischen Zusammenwirken von Naturschutz und Fischerei die Ostseekegelrobben wieder anzusiedeln. Gleichzeitig sollte die Grundlage für weitere Kooperationen zwischen Naturschutz und Fischerei aufgebaut werden. Den Fischern wurde u.a. das Angebot unterbreitet, dass Schadenersatzleistungen für mögliche durch Kegelrobben verursachte Schäden, z.B. an Fanggeräten, erfolgen sollten. Ebenso wurde den Fischereivertretern die Mitarbeit in einem Projektbeirat angeboten. Das BfN betonte immer, dass das Projekt nicht gegen den Widerstand der Fischer begonnen werde. Jedoch haben nach anfänglich positiven Signalen seit Sommer 2000 negative Stimmen auf der Fischereiseite die Oberhand gewonnen, welche wegen möglicher Fangeinbußen besorgt waren. Obwohl diese Bedenken aus Naturschutzsicht in den fachlichen Vorgesprächen seit 1997 und als wissenschaftliches Ergebnis einer Studie immer wieder entkräftet wurden, stimmten die Fischereivertreter dem Projekt nicht zu. Damit ist das Projekt gescheitert.


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Quellen:
[1] Klaus Harder: Informationen zur Biologie und zum Status der Kegelrobbe in der Ostsee (16-17) in: Jochen Schwarz, Klaus Harder, Henning von Nordheim und Wolfgang Dinter (Bearb.): Wiederansiedlung der Ostseekegelrobbe an der deutschen Ostseeküste, Angewandte Landschaftsökologie, Heft 54, BfN, Bonn- Bad Godesberg 2003, S. 16.
[2] © Dipl.-Geogr. Katrin Wollny-Goerke. Das Urheberrecht verbleibt bei der Bildautorin. Die Nutzung des Fotos ist nur für diese Internetpräsenz und das zugehörige Buch gestattet.
[3] José L. Lozan, Reinhard Lampe, Wolfgang Matthäus, Eike Rachor, Heye Rumohr, Hein von Westernhagen (Hrsg.): Warnsignale aus der Ostsee, Berlin 1996, S. 222.