Arten



Das Flussneunauge

Das Flussneunauge (Lampetra fluviatilis) ist eine nach Anhang II und V der FFH-Richtlinie geschützte Fischart (EU-Code Nr. 1099). Der Schutz dieser Art macht eine Sicherung seines Lebensraumes im Rahmen des Netzes NATURA 2000 unverzichtbar.


Einordnung

Das Flussneunauge gehört zur Familie der Neunaugen (Petromyzonidae), welche der Überordnung der Rundmäuler/Kieferlosen angehören. Den Namen haben diese Fische von den sieben Kiemenlöchern, die sich hinter den beiden Augen befinden und die zusammen mit der Nasenöffnung zunächst irrtümlich ebenfalls für Augen gehalten wurden.


Vorkommen

Die erwachsenen Flussneunaugen (Lampreten) kommen in den Küstengewässern und Flüssen des nordwestlichen Mittelmeeres, entlang der europäischen Atlantikküste, in der Nordsee und im Baltischen Meer vor, in den Flüssen und Seen Deutschlands sind sie eher selten zu finden. Die Jungtiere (Querder) leben in schwammigen Bachbereichen.


Merkmale

Flussneunaugen haben einen schlangenförmigen, seitlich leicht zusammengedrückten, etwa daumendicken Körper. Sie sind primitive, kieferlose Fische mit einem trichterförmigen Saugmund, in dem sich eine Reihe kleiner Zähne befindet. Sie haben einen dunkelgrau bis blaugrün gefärbten Rücken, goldgelbe Flanken und eine weiße Unterseite. Die Flossen haben einen lilafarbenen Schimmer. Die beiden Rückenflossen des Flussneunauges sind nur in der Laichzeit miteinander verbunden, außerhalb der Laichzeit sind sie voneinander getrennt.

Flussneunaugen erreichen eine durchschnittliche Größe von 30–35cm (maximal 50cm) bei einem Gewicht von 150g. Der Schleim und das Serum dieser Tierart sind giftig.


Lebensdauer

Diese Art kann 8 - 9 Jahre alt werden. Das Larvenstadium dauert etwa 4,5 Jahre.


Ernährung

Die Querder filtern zur Ernährung Mikroorganismen aus dem Wasser, wenn sie im Schlamm eingegraben leben. Die ausgewachsenen Flussneunaugen ernähren sich vom Blut anderer Fische, welches sie aussaugen und verzehren anschließend auch deren Fleisch.


Fortpflanzung

Zur Laichzeit im Frühjahr (Februar–Mai) wandern die Flussneunaugen flussaufwärts, wo sie ihre Eier in gefertigten Gruben an den Flussgründen ablegen. Während der Wander- und Laichzeit leben die Lampreten lediglich von ihren eigenen Fettreserven. Nach der Ablage der Eier (ca. 1500) sterben die Elterntiere ab. Nach dem Schlüpfen wandern die Larven stromabwärts und vergraben sich im Schlamm, bis sie nach 4–5 Jahren ausgewachsen sind und ins Meer abwandern. Die Rückwanderung zu den Laichgebieten erfolgt dann wieder 2–3 Jahre später.


Gefährdung

Der Bestand des Flussneunauges als anadromer Wanderfisch ist ebenfalls gefährdet. Bei dieser Art ist jedoch in der Gefährdung zwischen Ostsee- und Nordseeeinzugsgebiet (Elbe) zu unterscheiden. Im Elbegebiet ist wegen der Größe des gesamten Bestandes und zumindest 2 intakten Laichplätzen auf mecklenburgischer Seite eine geringere Gefährdung gegeben, im Ostseegebiet sind zwar mehr Laichplätze registriert, doch werden nicht alle konstant belaicht [1].

Die einzelnen Fortpflanzungsgemeinschaften weisen in Verbindung mit starken interanuellen Schwankungen sehr geringe Populationsgrößen auf (10-200 Tiere), so dass die Art weiter als vom Aussterben bedroht eingestuft bleiben muss [1]. Gefährdungsursachen sind u. a. die intensiv betriebene Küstenfischerei, der Habitatverlust durch Kiesabbau, Verschlammung der Laichplätze sowie Verbauung der Küsten und Querbauwerke in den Flüssen, so dass sie ihre Laichplätze nicht erreichen können.

Um den Bestand zu sichern ist eine Ausweisung mariner und ästuarer NATURA-2000-Schutzgebiete erforderlich. Diese marine Neunaugenart benötigt als minimale NATURA-2000-Schutzgbiete die gesamten Ästuare von Ems, Weser, Elbe und Eider sowie die angrenzenden Wattenmeergebiete und die angrenzende Deutsche Bucht bis 12 Seemeilen, ebenso wie die Ästuargebiete von Schlei, Trave/Stepenitz, Warnow, Recknitz und Oder sowie die angrenzenden Meeresgebiete der Kieler Bucht, einschließlich Flensburger Förde, Lübecker Bucht, Mecklenburger Bucht, Gewässer des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft, Greifswalder Bodden und westliche Pommersche Bucht [2]. Binnenwärts ist der durchgängige Anschluss der Meeresschutzgebiete an die Laichgewässer in den Flussoberläufen und ihren Nebengewässern nötig [2].


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Quellen:
[1] H. Winkler, A. Waterstraat, N. Hamann (Bearb.): Rote Liste der Rundmäuler, Süßwasser- und Wanderfische Mecklenburg-Vorpommerns, Schwerin 2002, S. 15.
[2] Ronald Fricke: Auswahl und Management mariner NATURA-2000-Gebiete für Fischarten im Anhang II der FFH-Richtlinie, in: Barbara Petersen, Ulf Hauke & Axel Ssymank (Bearb.): Der Schutz von Tier- und Pflanzenarten bei der Umsetzung der FFH-Richtlinie; Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz, Heft 68; Bundesamt für Naturschutz 2000; S. 113 ff. (124).