Arten



Der Atlantische Stör

Der Atlantische Stör (Acipenser sturio) ist ebenfalls eine marine Art, die im Anhang II der FFH-Richtlinie als schützenswerte Fischart aufgeführt ist (EU-Code Nr. 1101). Deshalb ist die Sicherung seines Lebensraumes im Rahmen des Netzes NATURA 2000 unbedingt erforderlich für den Schutz seiner Art.


Einordnung

Dieser Fisch gehört zur Ordnung der Knorpelganoiden und innerhalb dieser Ordnung zur Klasse der Knochenfische.


Vorkommen

Der Stör war ursprünglich in allen europäischen Küstengewässern vertreten. Heute ist er bereits in allen mitteleuropäischen Gewässern ausgestorben. Gelegentlich werden noch Einzelexemplare in der oberen Donau, Elbe und Rhein gesichtet. Seine Heimat bilden die russischen Gewässer (Schwarzes und Kaspisches Meer).


Merkmale

Der Stör hat ein haiähnliches Aussehen. Er hat einen lang gestreckten Körper mit einem schnabelartigen Kopf. Das Maul ist stark unterständig und hat 4 Barteln. Die Schwanzflosse ist unsymmetrisch. Die Schuppen beim Stör sind auf 5 Längsreihen von Knochenschilden an Rücken, Seite und Bauch beschränkt.

Die Durchschnittsgröße liegt zwischen 1,50 und 2,50m. Störe erreichen ein Durchschnittsgewicht von etwa 315kg.

Störe leben am Boden. Ihre Bartfäden berühren den Untergrund und spüren die überwiegend tierische Nahrung auf, die dann mit der vorstülpbaren Mundöffnung eingesaugt wird.


Lebensdauer

Störe können über 75 Jahre alt werden.


Ernährung

Diese Fische ernähren sich hauptsächlich von Weichtieren, Ringelwürmern, Garnelen, Krebstieren und Fischen.


Fortpflanzung

Als anadrome Fischart wandert der Stör ebenfalls zum Ablaichen in die Flüsse. Die Männchen erreichen ihre Geschlechtsreife in einem Alter von 7 bis 9 Jahren, die Weibchen von 8 bis 14 Jahren. Die Laichzeit des Störs findet im Juni-Juli statt. Die Weibchen können bis zu 2,5 Mio. Eier ablegen. Danach ziehen die erwachsenen Störe wieder ins Meer zurück. Die Jungtiere bleiben dagegen oft Jahre im Süßwasser, bevor auch sie ins Meer wandern.


Gefährdung

Für sein Verschwinden aus den mitteleuropäischen Gewässern wird neben klimatischen Veränderungen, Flussregulierungen, dem Bau von Staustufen und Gewässerverschmutzungen auch die rücksichtslose Überfischung als Ursache genannt. Letzteres ist darauf zurückzuführen, dass der Stör Hauptlieferant von Kaviar ist.

Im jetzigen Zeitpunkt hat die deutsche AWZ für den Stör keine Bedeutung. Dies könnte sich aber ändern, wenn Wiederansiedlungsbemühungen der Art zu einer erneuten Ausbreitung führen sollten. Um dies zu erreichen, ist eine Ausweisung von marinen und ästuaren NATURA-2000-Schutzgebieten für diese Art erforderlich.

Wegen des großen individuellen Bewegungsbereichs und des langen Aufenthalts im marinen Bereich werden besonders große Schutzgebiete benötigt. Sie umfassen im Meeresbereich die gesamten Ästuargebiete von Ems, Weser, Elbe, Eider, Schlei und Oder, sowie in der Nordsee ein vernetztes Meeresschutzgebiet (Wattenmeergebiete und innere Deutsche Bucht bis 12 Seemeilen jenseits von Helgoland), sowie in der Ostsee den Greifswalder Bodden und die westliche Pommersche Bucht mit der Oderbank [1]. Binnenwärts werden als Störschutzgebiete die Flussabschnitte bis zu geeigneten Laichplätzen (im Rhein bis zum unteren Oberrhein, in der Oder bis wenigstens 100km flussaufwärts) benötigt [2]. Ohne diese Schutzgebiete wird eine Wiederansiedlung des Atlantischen Störs ohne Erfolg sein.


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Quellen:
[1] Ronald Fricke: Auswahl und Management mariner NATURA-2000-Gebiete für Fischarten im Anhang II der FFH-Richtlinie, in: Barbara Petersen, Ulf Hauke & Axel Ssymank (Bearb.): Der Schutz von Tier- und Pflanzenarten bei der Umsetzung der FFH-Richtlinie; Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz, Heft 68; Bundesamt für Naturschutz 2000; S. 113 ff. (117).
[2] Ronald Fricke: Auswahl und Management mariner NATURA-2000-Gebiete für Fischarten im Anhang II der FFH-Richtlinie, in: Barbara Petersen, Ulf Hauke & Axel Ssymank (Bearb.): Der Schutz von Tier- und Pflanzenarten bei der Umsetzung der FFH-Richtlinie; Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz, Heft 68; Bundesamt für Naturschutz 2000; S. 113 ff. (121).