Berner Übereinkommen


Auf regionaler Ebene haben sich die Vertragsparteien des Übereinkommens vom 19.9.1979 über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume [1] verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen,

„um die Population der wildlebenden Pflanzen und Tiere auf einem Stand zu erhalten oder auf einen Stand zu bringen, der insbesondere den ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Erfordernissen entspricht…“ (Art. 2 Berner Konvention).

Einen bedeutenden ökologischen Wert misst man den wildlebenden Pflanzen und Tieren aufgrund ihrer wesentlichen Rolle für die Erhaltung des biologischen Gleichgewichts bei (vgl. Berner Konvention, Präambel). Deshalb sieht die Berner Konvention neben klassischen Artenschutzmaßnahmen ein umfangreiches Schutzgebietskonzept vor: Die Verpflichtung der Vertragsparteien zur Ergreifung der geeigneten und erforderlichen gesetzgeberischen und exekutiven Erhaltungsmaßnahmen bezieht sich gemäß Art. 4 Abs. 1 Berner Konvention nicht nur auf die Lebensräume der wildlebenden Pflanzen und Tiere (wobei die Aufzählung in den Anhängen I und II der Konvention – darunter sind auch marine Arten – nicht abschließend ist), sondern erstreckt sich auf gefährdete natürliche Lebensräume überhaupt.

Bei einer effektiven Umsetzung der Berner Konvention, die nie stattgefunden hat, wäre damit wohl ein europäisches Netz von Schutzgebieten für natürliche Lebensräume entstanden. Dieses Ziel verfolgt jetzt die Europäische Union mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie weiter, weshalb die Berner Konvention auch als (völkerrechtlicher) Vorläufer der dieser Richtlinie angesehen werden kann.



Quellen:
[1] BGBl. II 1984 S. 618; engl.: Convention on the Conservation of European Wildlife and Natural Habitats; hierzu ausführlich S. Lyster, International Wildlife Law, An analysis of international treaties concerned with the conservation of wildlife, Cambridge, New York, Melbourne 1994, S. 129 ff.